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Ein Einblick in die Rettungshunde-Arbeit

 

Ehe sich Hundehalter entschließen, Rettungshundeführer zu werden bzw. den Hund zum Rettungshund auszubilden, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Rettungshundearbeit mehr als ein Hobby ist. Auf die Hunde kommt viel Spaß zu, auf die Halter ein hoher Zeit- und Kostenaufwand sowie Verantwortung, denn aktive Mitglieder einer Rettungshundestaffel stellen ihre Dienste ehrenamtlich zur Verfügung.



Geeignet ist fast jeder Hund, er sollte gesund und leistungsfähig sein, nicht zu klein und nicht zu groß. Es kommt nie auf die Rasse, sondern immer auf den individuellen Typ an. Bei großen Rassen ist das Gewicht oft das Problem, denn sie sind dadurch oft sehr schwerfällig, besonders auf Leitern und Stegen. Das kann sogar gefährlich für die Hunde werden, ebenso ist die Belastung für den Körperbau eines großen Hundes immens und darf nicht unterschätzt werden.

Die Ausbildung kann als Welpe begonnen werden, Höchstalter bei Ausbildungsbeginn ist ca. zwei Jahre. Die Ausbildung bis zur ersten Prüfung dauert rund zwei Jahre bei zweimal wöchentlichem Training. Die Hundeführer sind für den Grundgehorsam selbst zuständig, das Gehorsamstraining findet zusätzlich zum RH-Training statt.

Die Rettungshundeprüfungen müssen nach 18 Monaten wiederholt werden. Ausgebildet wird in der Flächen- und der Trümmersuche. Die Hunde sollten menschenfreundlich und sozial gut verträglich sein.

Gebrüll und Drill gibt es in der Rettungshundearbeit nicht, die Hunde sollen freudig, engagiert und selbstständig "arbeiten". Ein Ausbildungsteil ist die Flächensuche, der Hund lernt in den verschiedensten Gebieten mit verschiedenster Vegetation Menschengeruch aufzunehmen und zeigt den gefundenen Menschen unter anderem durch anhaltendes Bellen an. Es wird dem Hund nicht, wie oft angenommen, vorher ein Kleidungsstück der Person gegeben.

Im Training wird dem Hund gelehrt, dass es das Tollste auf der Welt ist, Menschen zu finden!

Ein weiterer Teil der Ausbildung ist die "Gerätearbeit", die für die Geschicklichkeit und die komplette Rettungshundearbeit sinnvoll ist. Der Hund lernt, mit den verschiedensten Untergründen umzugehen, mit denen er als Rettungshund konfrontiert werden kann. Es werden Roste, Schotter, Metall etc. als Übungsmaterial genutzt. Außerdem lernt der Hund, Leitern und Wippen zu begehen.

Der ausgebildete Hund ist per Sicht- und Lautzeichen über sämtliche Geräte wie Stege, Wippen, Fassbrücken etc. aus Distanz zu lenken. Dass er aus Distanz "lenkbar" ist, ist wichtig für alle Teile der Rettungshundeausbildung, denn nicht immer kann auch der Hundeführer Trümmer oder Flächen begehen. Außerdem sind wir Menschen viel zu langsam, und wenn Menschen in Lebensgefahr sind, zählt jede Sekunde. Der Hund sucht daher oft in großer Distanz zum Hundeführer.

In den Trümmern lernt der Hund nur lebende Personen anzuzeigen. Dabei ist es wichtig, dass der Hund lernt, punktgenau durch Bellen und/oder Scharren anzuzeigen. Es nützt nichts, wenn der Hund auf einem Trümmerkegel steht und in die Luft bellt, nur weil er menschliche Witterung aufgenommen hat. Wo soll das Bergungsteam dann ansetzen? Er muss also das so genannte Eindringverhalten an der richtigen Stelle anzeigen. Er muss lernen, mit Dunkelheit, herumliegenden Nahrungsmitteln etc. umzugehen, seine Motivation muss also das Suchen von Menschengeruch und das Anzeigen sein.

Wie in jeder Hundeausbildung ist das Ziel, dass das Tun an sich schon zur Bestätigung wird. Der Hund muss Spaß an der Sache haben. Hund und Mensch, Rettungshund und Rettungshundeführer müssen ein Team werden. Der Hundeführer muss seinen Hund lesen können.

In anderen Hundeausbildungen ist jeder nur für seinen Hund und dessen Ausbildung verantwortlich. Das ist in der Rettungshundearbeit anders. Jedes aktive Mitglied ist für jeden Hund verantwortlich. Teamarbeit ist gefragt und Vertrauen.

Ebenso wichtig ist, dass zwischen den Menschen kommuniziert wird, der Hundeführer muss wissen, wie sein Hund sich am "Opfer" verhält, um entsprechende Ausbildungsschritte einzuleiten. Helferschulungen sind unerlässlich. Jedes aktive Mitglied muss über das Lern- und Hundeverhalten Kenntnisse besitzen.

Auch ist nicht so, dass man als Hundeführer in eine Rettungshundestaffel geht und der Hund dort ausgebildet wird. Beide müssen gemeinsam und viel lernen. Der Hundeführer muss sich in das Team einfügen. Für viele Menschen ist es oft befremdend und ungewohnt, dass man nicht immer mit dem eigenen Hund arbeitet, sondern auch mit den anderen Hunden. Der eigene Hund wartet währenddessen im Auto. Er muss lernen, sich dort auszuruhen.

Zum praktischen Training mit dem Hund kommt dann noch die Theorie. Die Hundeführer, die noch keinen geprüften Hund oder einen derzeit nicht einsatzfähigen Hund haben, agieren als Suchgruppenhelfer. Diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen.

Im Einsatz geht immer ein Team gemeinsam, es besteht aus dem Rettungshundeführer, dem Rettungshund und dem Suchgruppenhelfer, der für alles außerhalb des Hundes zuständig ist. Die Aufgaben bestehen aus dem Bewältigen des BOS-Funk mit der Einsatzleitung (BOS heißt: Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufträgen), dem Lesen der Karte, der Orientierung mit Karte und Kompass, dem Tragen des Gepäcks wie z. B. Wasser für den Hund, Erste-Hilfe-Material für Mensch und Hund, Bekleidung etc. Allein mit der Orientierung und dem dauernden Funkkontakt hat der Suchgruppenhelfer alle Hände voll zu tun.



Damit eine Rettunghundestaffel einsatzfähig ist, bedarf es mancher Theoriestunde außerhalb des praktischen Trainings. Die Hundeführer und Suchgruppenhelfer bekommen Unterricht in Erster Hilfe für Mensch und Hund, Einsatztaktik Fläche und Trümmer, Orientierung wie Umgang mit Karte, Kompass, GPS-Geräten, BOS-Sprechfunk, Knoten und Stiche, taktische Zeichen, Trümmerkunde und anderes mehr.

Da nicht in jeder Stadt eine Rettungshundestaffel ist, kommen auf die meisten Mitglieder Fahrtzeiten und -kosten zu. Auch die Einsatzorte sind oft weit entfernt. Mit dem Arbeitgeber muss man absprechen, ob man im Falle eines Einsatzes freigestellt wird.

Rettungshundeführer müssen auch zu Hause sehr viel üben; es reicht nicht, nur zum Training zu kommen. Er wird dort natürlich die Anleitung erfahren, was er alles üben kann und was er falsch macht. Hinter der Rettungshunde-Ausbildung muss bei diesem Aufwand die ganze Familie stehen, also alle, die mit dem Hund leben.

In einer Rettungshundestaffel sind auch Menschen ohne Hund willkommen, die aktiv als Helfer agieren.